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Spiderman - Die freundliche Radnetzspinne aus der Nachbarschaft

Posted by Tim E. on Montag, November 16, 2009
Da in den vergangenen zwei Tagen die Filme "Spiderman" und "Spiderman 2" auf Pro7 gezeigt wurden und ich mir diese Filme zusammen mit einem Freund mal wieder angeschaut habe, ist es wohl nicht ganz schlecht, wenn ich mich mal ein wenig über den Film auslasse.

Dass der Film höchst unrealistisch ist, weiß jeder, der bis zu der Stelle mit den genetisch veränderten Spinnen gekommen ist, wobei eine den guten Peter beißt und dieser sich... tja... in Spiderman verwandelt. Körperliche Überlegenheit, sich auszeichnend durch überschnelle Reflexe, unmenschlich gesteigerte Sinneswahrnehmung, unbändige Kraft, faszinierende Dehnbarkeit und die Fähigkeit, auch nach dem 12. Schlag mit einem stumpfen, schweren Gegenstand direkt auf den Kopf immer noch locker rumspringen zu können, machen Spiderman etwas imba (den Computerjargon, nicht den akademischen Grad...). Aber irgendwie mögen wir ja diese pure Überlegenheit zum Menschen an den Superhelden. Das macht sie ja zum Superhelden.

Viel weniger interessant, eigentlich sogar nervig, ist, dass Peter Parker einfach so gut wie jede Situation seines Lebens vergeigt. Ob er es nicht schafft, ne Pizza auszuliefern, rechtzeitig zur Schule zu kommen oder einfach mal mit M-Jay zusammenzukommen - das Ausmaß seiner Unfähigkeit spannt sich über ein großes Feld. Am Anfang ist das noch ganz witzig, aber nach dem fünften "M-Jay, ich liebe dich und bin jetzt ganz anders"-"Aber ich werde heiraten/habe einen Freund" (oder auch gerne anders herum) geht einem das schon auf den Keks. Mir jedenfalls. So eine Pfeife.
Und dann diese schrecklichen Probleme, dass er kein anständiges, normales Leben führen könne, wenn er Spiderman sei. Sein einziges Problem ist ja schließlich, dass er in M-Jay verliebt ist und mit ihr zusammen sein möchte. Natürlich hat er auch noch Geldprobleme und das mit der Uni, aber man schaue sich einmal den guten Clark Kent an: Der hat das schließlich auch geschafft.
Zwar konnte der auch fliegen, aber Spiderman ist auch nicht wirklich langsam (außer er muss mit dem Fahrstuhl fahren, weil seine Spinnendrüse alle ist).

Sein Gewissen, dass ihm so unglaublich selbstlos am Ende des ersten Teils übrigens sagt, dass er nicht mit einem Mädchen zusammen sein kann, ist übrigens auch eine ganz schön bescheuerte Tour und ungalublich schwach. Denn als Peter auf einmal, einfach so, beschließt, dass er nicht mehr Spiderman sein kann, schlendert er gar genüsslich durch die Gassen und sieht einfach bei jeder Art von Ungerechtigkeit weg.
Ein Mann wird auf der Straße verprügelt? Ich halte gerade ein Eis, ich kann nichts machen, sorry.

Diese Handlungsweise ist mehr als schwach. Und einem Menschen mit Parkers Sinn für Gerechtigkeit im realen Leben etwa so fern, wie Mutter Theresa, Werbung für Schalldämpfer zu machen.

Apropos spontane, unbegründete Handlungs- und Denkweisenänderung: Der grüne Kobold, oder eher Norman, meint 3 Sekunden vor seinem Tod noch "Sag Harry nichts" (ö.Ä.), es ist nicht sein Plan, seinen Sohn mit in die Sache zu ziehen. Oder ihn aufzuhetzen.
Dass der Junge Hass auf Spiderman entwickelt, war zwar absehbar, aber dass der Kobold am Ende des zweiten Teiles auf einmal als Geist oder nur im Kopf von Harry durch das Haus spukt und ihn gegen Spiderman aufhetzt, ist mehr als frech.
Frecher jedoch ist, dass Harry den Spiegel mit dem Kobol anschreit, dass Peter sein Freund sei und er das niemals machen könne. Und kaum hat das Balg den Raum mit den Klamotten und der Ausrüstung des Kobolds betreten, ändert er die Meinung, wenn ich dem Trailer zum 3. Teil von Spiderman glauben darf (den ich, muss ich sagen, noch nicht gesehen habe. Ich kann mich also auch irren).

Und schließlich kommen wir zu Superhelden, die keine Superhelden sind, aber mal einfach superheldig werden. Wen ich meine? Doc Oc z.B.
Der Typ ist einfach Wahnsinn!
Er ist leitender Forscher an der Fusionsreaktion von Teilchen und hat es geschafft, sein Labor in einem Mietshaus im 4. oder 5. Stock einzurichten. Zwar hat er, wie es der Vermieter anfangs sicherlich wollte, einmal renoviert, hier und da gestrichen und ein bisschen Blech an die Wand getackert, aber wirklich laborartig ist seine Bude nicht gerade eingerichtet. Ich bin aber sicher, dass er in dem Arbeitszimmer auch sein Schlafzimmer hat und einfach nur abends das Bett aus dem Schrank klappt.
Zudem ist er der Einzige, den ich mir vorstellen kann, der eine Fusionsreaktion in einem großen Wohnzimmer, mit Zuschauern ohne Sicherheitsmaßnahmen, wie einer Trennwand, an der Luft und etwa 2 Meter von sich entfernt, durchführt.
Kalte Fusion?

Leider nein, die Fusion sieht nicht nur aus wie eine kleine Sonne, laut Doc Oc ist es auch eine.
Ist ja nicht so, dass ein stecknadelkopfgroßes Stück aus dem Kern unserer realen Sonne einen Menschen auf 1,5 km Entfernung immer noch verbrennen würde. Neinnein.

Aber wahrscheinlich braucht er genau dafür die Arme, die er sich auf den Rücken setzen lässt. Zwar hat der Mann es geschafft, Elektronik mit seinem Neuralnetz zu verbinden (was wirklich genial ist!), aber hat er es irgendwie nicht geschafft, sich mal ein paar Stunden in einen Softwareentwickler oder KI-Kurs zu setzen. Warum haben die Arme eine eigene, künstliche Intelligenz? Damit sie selbsständig die Sonne antatschen können um "sie unter Kontrolle zu halten"? Dann hätte er sie sich nicht auf den Rücken setzen brauchen. Ein stationäres Gerät an seinem Kontrollpult hätte das auch getan. "Vielleicht brauchen die Arme die KI, damit sie wissen, wann sie welches Tool einsetzen sollen!?"
Ja, vielleicht. Aber eine KI, die ein Gewissen hat, wie später zu sehen, als die Arme ihm einreden, dass er eine Bank ausrauben soll und dass das wahre Verbrechen die Nicht-Weiterführung seines Experiments sei, ist dafür _nicht_ nötig. In keinem Fall.
Ich möchte mich da jetzt auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, ich hab schließlich mal gar keine Ahnung darüber, aber wirklich gut durchdacht erscheint mir das nicht.

Und somit kommen wir zu "gut durchdacht". Doc Oc bekommt von Harry den Auftrag, Peter Parker zu suchen, weil dieser den guten Professor zu Spiderman führen kann. Note: Weder Harry, noch Doc Oc wissen zu diesem Zeitpunkt, dass Peter Parker Spiderman ist. Ist er auch nicht, weil Parker gerade den Job aufgegeben hatte. Aber egal.

Ich habe ein Interview mit Doc Oc geführt, nachdem er das Auto auf Peter Parker geschmissen hatte und dieser, weil er nicht Spiderman war, zerquetscht wurde.

"Dr. Otto Gunther Octavius, was hat Sie dazu verleitet, einen PKW nach Peter Parker zu schmeißen, der gerade in einem Café saß und sich mit einem Mädchen unterhalten hat?"
"Ich weiß gar nicht, was da in mich gefahren ist... eigentlich wollte ich nur auf mich aufmerksam machen, aber ich wusste nicht genau, wie... und im Drehbuch stand nur die Randnotiz 'vll. etwas werfen, Stein o.Ä., um Aufmerksamkeit zu erregen, auf den Tisch klopfen ist auch okay' - also hab ich das Erstbeste nach ihm geworfen... und weil ich gerade Left 4 Dead gespielt hatte, dachte ich mir, dass ein Auto vielleicht richtig sei..."
"Wie hätte denn Peter ihrer Meinung nach auf das Geschoss reagieren sollen?"
"Ich konnte doch nicht ahnen, dass er sich treffen lässt! Ich meine, so ein Auto ist ja auch nicht klein, das sollte man doch sehen! Er hätte es ja fangen und zurückwerfen können oder - ach, dem Jungen standen doch alle Möglichkeiten offen!"
"Aber Sie wussten doch gar nicht, ob Parker Spiderman sei!"
"Das ist mir im Nachhinein auch aufgefallen..."

Die Szenerie wird fortgesetzt in einem kleinen Kampf zwischen Doc Oc und Spiderman zwischen Hochhaus und S-Bahn. Schicke Effekte. Netter Kampf. Wäre Doc Oc doch nur nicht ein Mensch und dazu noch fett. Ich weiß nicht, wer mir erklären wer mir wie erklären will, wie Doc Oc es schafft, mehr als 2 Schläge auf den Kopf auszuhalten, denn zwischendurch prügelt Spiderman doch schon gut auf ihn ein.
Und das ist meines Erachtens das Schlechte an den ganzen Superheldenfilmen... irgendein Idiot schnallt sich irgendwas um und ist gleich unglaublich mächtig und imba und toll und stark. Auch wenn es nur ein Toaster ist, den er sich auf den Kopf setzt. Das hindert den Macker nicht daran, die Welt zerstören zu wollen und einem Superhelden auf die Klappe zu geben! Aber es zählt ja der Wille, und den hat der Mann ja.


Und somit endet die Geschichte von Doktor Octavius. Ach nein, noch nicht ganz. Zuvor muss er noch die Fusion vernichten, indem er sie im Wasser versenkt.
...
"Man kann sie nicht abschalten. Sie versorgt sich selbst... wir müssen sie versenken."
Versenken! Natürlich! Warum sind wir denn da nicht gleich draufgekommen!? Eigentlich ist eine Fusion ja nur ein kleines Lagerfeuer, da kippt man halt nen Eimer Wasser drüber und dann geht das Ding auch aus. Das erklärt auch gleich, warum man eine Fusion nicht im Vakuum durchführen kann, die braucht nämlich Sauerstoff, weil die ja sonst nicht brennen kann! Alles klar, so geht das, ich bin im Bilde und werde Physiker.



Zu guter Letzt kann ich nur noch zwei Dinge anmerken.
Erstens: Der Film hakt an allen Ecken und Enden. Ob das in den Comics auch so ist, weiß ich nicht. Auf Inhaltsebene ist Spiderman aber einfach nur schlecht. Und trotzdem mag ich den Film irgendwie. Also nicht wirklich dolle, aber es ist witzig, wie Spiderman mit coolen Moves durch New York segelt. Das hat schon was <3>

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Roma, romama.

Posted by Tim E. on Donnerstag, November 12, 2009
Ich bin im Schwärmen.

Ich habe einen Schwarm.

Ich bin ein Schwarm?

Könnte man auch sagen, da ich das Gefühl habe, einen ganzen Sack Hummeln unter meinem Hintern zu haben, die mich penetrant pisacken und tanzen lassen wollen... zu dem Lied meiner neusten Schwärmerei - Lady GaGa.

Die etwas eingesesseneren und eingeleseneren Verfolger meines Blogs werden wissen, dass ich gerne Metal höre - und werden sich vielleicht ein Quäntchen wundern, warum ich von Lady GaGa behaupte, dass sie einfach ... super ist.

Und es ist auch kein Fünkchen Sarkasmus oder Ironie in meiner Stimme, wenn ich dies behaupte, das sei ebenfalls gesagt. Aber genug der Rechtfertigungen. Warum eine Pop-Queen? Eine zweite (bessere) Madonna?
Vielleicht Mainstream?

"Ist das nicht die Olle, die auch Pokerface gemacht hat?"

Ja, das ist sie. Zwar landete GaGa mit "Just dance" ihren ersten, großen Hit, aber das Pokerface wird wohl keinem mehr aus dem Kopf gehen und die einzige Erinnerung an die Frau sein.

Und auch ich hörte das erste Mal von der Frau Pokerface, tanzte ab und an - meistens, ohne es zu wissen - in der Disco zu dem Lied und freudete mich mit ihm an. Aber andere Lieder... die waren alle irgendwie schlecht. Und ich empfand die Frau, wie vielleicht viele andere, als lästige Modeerscheinung der verbitchten Jugend, ähnlich wie LaFee, Tokio Hotel u.v.m.

Und irgenwann sagte mir jemand, dass die Frau geil Klavier spielen könne - und ich, verblüfft, gespannt, interessiert, schaute mir das Video, eine Akustikversion von Pokerface, an:



Auf einmal klang die Frau gut, ihre Stimme, mal unverzehrt, ist füllig, kräftig, ihr Auftreten durch das "Spielen" mit ihrem Lied einfach großartig.

Oft werden Lieder von anderen Leuten geschrieben, die SängerInnen singen nur noch - Lady GaGa schreibt noch selber. Komponiert selber. Entwirft ihre Kostüme, die Kostüme der Mittänzer, denkt sich die Choreographie aus.

Das hat mich interessiert, denn die Frau hebt sich einfach von der großen, grauen (von mir aus auch knallbunten, aber irgendwie trotzdem eintönigen) Masse ab, hat was auf dem Kasten, ist schlau, weiß, was sie sagt und lässt sich nicht von den Standards der Musikbranche leiten... das finde ich klasse!

Dass die Frau scheinbar einen kleinen Knall hat, ist nicht schlimm - es könnte gar nicht mehr das Gegenteil für mich bedeuten. Vielleicht ein bisschen verrückt, aber dadurch noch schillernder und kein Stück eingebildet; Das findet man nicht mehr häufig.

Als schließlich ihr Lied "Paparazzi" rauskam, kursierten schnell, sehr schnell die Videos auf der Plattform youtube.com, unter anderem auch diese weitere Akustikversion, in der sie, meiner Meinung nach, erneut zeigt, dass sie einfach begabt ist. Doch es geht nicht um die Begabung allein: Das Lied klingt auch noch gut!



Viele Freunde fragten mich, warum GaGa nicht immer so singt, sondern andere Musik macht, ihre normale, im Laden käuflich erhältliche Musik, Dance-Musik, verzerrt und "verstümmelt"!?


Ich weiß es nicht. Meine Antwort: "Weil sie es kann. Und weil sie es mag."
Warum trage ich schwarz, headbange auf dem Wacken Open Air und gehe trotzdem in die Disco und spacke zu House und Dance ab? Weil es mir Spaß macht. Weil ich es kann.


Schließlich hatte Lady GaGa am vergangenen Samstag einen Besuch in unserer Fernsehsendung "Wetten, dass?". Kurz, aber ausdrucksstark. Das folgende Video zeigt ein Interview, das nach der Show gemacht wurde und spricht, meine ich, für sich selbst:





Mode mit Musik verbinden? Klassik mögen? Sich nicht mit anderen vergleichen? Klingt für mich nach absolut tollen Wertvorstellungen und Plänen. Und sonst?


Ich kann nicht wirklich beschreiben, warum ich die Musik mag. Mag ich überhaupt die Musik? Oder nur die Frau? Ich bin mir sicher, ich mag es beides. Der an der Industrial- und Gothicmusic angelehnte Beat, die Melodie. Ihre Stimme. Ihre riesigen Augen. Die unscheinbar, kleine, blasse Gestalt. Ihr Frisureneinfallreichtum. Ihre Fähigkeit, auf Absatzschuhen zu tanzen. Ihre Musikalität. Die Nähe zu den Fans, die Dankbarkeit, die sie mit sich bringt.


Lady GaGa wird es noch sehr viel weiter bringen, als sie es jetzt schon geschafft hat. Und ich gönn es ihr. Denn sie ist wirklich eine tolle Person.


Oh, btw., bevor ich es vergesse!

"Bad Romance", eines ihrer neuen Lieder von dem am 23.11.2009 erscheinenden Album "The Fame Monster", ist durchaus zu empfehlen... und nicht nur etwas für die Ohren.


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Mein Weg

Posted by Tim E. on Mittwoch, Oktober 28, 2009
Hey, wie läuft es eigentlich momentan? Wie ist das Studium? hast du Spaß in Lübeck?
Ausnahmsweise hatte ich mal vor, mein Leben ein wenig zu planen. Dass ich zwar erst am Vortag vor Abgabe der Facharbeit mit selbiger angefangen habe - und sie trotzdem ein Erfolg war - sollte mir nicht unbedingt wieder vorkommen. Also habe ich mich eigentlich recht zeitig um ein Informatikstudium beworben. Zwar nur an der Universität Lübeck, und nicht noch wo anders, aber immerhin.

Und so lagen auf meinem Schreibtisch, neben meiner Tastatur, die Unterlagen der Uni, lediglich die Semester- und Einschreibegebühr galt es noch zu entrichten.
Die Wohnungssuche war schon etwas verspätet angesetzt und auch noch nicht so wirklich fortgeschritten, doch ich war dabei. Hatte einen Plan. Den Plan, in einer wunderschönen Stadt zu studieren.

Und dann hat meine beste Freundin angerufen und mich auf mein leichtes Geseufze, dass ich doch viel lieber Gamedesign oder Digital Film studieren möchte, gefragt, warum ich das denn nicht probieren würde.

Und nur 3 Stunden später setzte ich mich an eine der längsten Mails, die ich je geschrieben habe - 1 1/2 Stunden tippte ich unaufhaltsam alles, was mich betraf, in eine E-Mail an eine der Kontaktpersonen des Studiengangs Gamedesign der md.h Berlin.
Und ich legte alles dar, wer ich bin, wann ich wo wie zur Schle gegangen bin, was ich studieren möchte, dass ich schon einen Studienplatz habe, aber mir nicht sicher sei, dass die Finanzierung schwierig wäre...

und dann stürzte Firefox einfach mal ab.

Und die E-Mail, Bildschirmlänge um Bildschirmlänge lang, war verloren, nicht gespeichert außerdem, da es Firefox zu Beginn der Session nicht geschafft hatte, eine anständige Internetverbindung aufzubauen.
Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich nicht mehr Firefox benutzen werde. Jedenfalls so lange, bis das Mistprogramm nicht mehr alle 12 Minuten abschmiert. Aber egal.

Die nächsten 1 1/2 Stunden verbrachte ich mit einer Mischung aus Wut, Zorn und dem Rekonstruieren der E-Mail, um sie schließlich (gespeichert in 2 verschiedenen Dokumenten) doch abzuschicken - und für ein Bewerbungsgespräch und einen Eignungstest nach Berlin eingeladen zu werden.

Und so pilgerte ich in der folgenden Woche nach Berlin, nachdem mir meine liebste Musiklehrerin zu einer Unterkunft verholfen hatte, die sich als total klasse erwies und meine Erwartungen übertraf. Die Geschichte der Unterkunftssuche ist übrigens noch eine andere...
Zwar musste ich knapp 7 Stunden Zug fahren, um nicht 120 Euro bezahlen zu müssen, doch war mir das irgendwie recht. Denn auch das Wetter war gut. Aber naja.

So fuhr ich mit der S- und U-Bahn quer durch Berlin, verpasste einen Ausstieg, suchte mich durch irgendwelche Straßen und stieß schließlich auf ein recht großes Gebäude. Ein altes Gemäuer (römisch, gotisch, katholisch, septisch? Ich hab keine Ahnung von Baustilen), teils mit Efeu bewachsen, andererorts matt in der Sonne glänzend, präsentierte sich vor meinen entzückten Augen und mir wurde angesichts der kleinen Straße mit der üppigen Baumbepflanzung ganz warm ums Herz.
Und wie es Murphy will, fiel mein Blick auf die Hausnummer des Gebäudeblocks - und die der md.h meines Routenzettels. Mir war innerlich irgendwie schon klar gewesen, dass es sich bei diesem schönen Gebäude um das jüdische Museum handeln müsse, das direkt neben der Uni sein sollte.

Umso erfreuter war ich, ein einziges Mal in meinem Leben nicht um das Große, Tolle herumgehen und eine kleine, winzige, verstaubte Bude entdecken zu müssen - nein, die Uni war und ist tatsächlich in dem schönen Gebäudekomplex, der sich zuallererst meinen Augen darbot!

Und als ich, wie von Federn getragen, die Eingangshalle beschritt, an die Informationstafel schaute, entdeckte, dass sich die md.h nur im vierten Stock eingenistet hatte, laut auflachte, nach der Treppe suchte, nur einen Aufzug fand, diesen benutzte und aus einer Säule im vierten Stock ausstiegt, vor der sich ein Raum, einer Arztpraxisempfangszentrale gleich, erstreckte, wusste ich - ich war am richtigen Ort.
Hell - aber nicht zu hell - schien die Sonne durch die Fenster, kunstvolle Skulpturen räkelten sich in den Ecken der Räume, Computer surrten und rochen verführerisch unter der Volllast und ein nettes Fräulein nahm mich am Empfang auf.

Und so lernte ich meine Kontaktperson persönlich kennen, führte ein tolles Bewerbungsgespräch, schaute mir die Räumlichkeiten genaustens an und schrieb schließlich den Eignungstest des Studiengangs Gamedesign, dessen Ergebnis ich 3 Tage später während eines Gassi-Gangs per Mobiltelefongespräch mitgeteilt bekam.


Bestanden. Aufnahme in das Studium: So bald wie möglich. Sonst noch was? Sie freuen sich auf mein Kommen.


Es bleibt immer noch die Frage nach der Finanzierung. Die Anmeldefrist für ein Stipendium hatte ich gut um 4 Monate verpasst. Und so beschloss ich, mir ein Jahr frei zu nehmen und mich anschließend rechtzeitig um ein Stipendium zu bewerben.

Was ich jetzt mache? Ich suche einen Job. Eine Arbeit. Eine bezahlte Tätigkeit, der ich nachgehen kann, die meinen Alltag regelt und mir vielleicht die Möglichkeit gibt, ein Laptop zu finanzieren. Nach 6 Jahren sei es meinem Rechner schon erlaubt, ein wenig zu schwächeln.

Und sonst?
Ich mache das, was ich immer tue. Programmieren. Malen. Chatten. Filme gucken, Klavier spielen.
Und von Zeit zu Zeit besuche ich auch Freunde, oder diese besuchen mich.

Und wenn ich in einem Jahr anfange, in unserer Hauptstadt zu studieren, dann werde ich wieder in einer WG wohnen, mit Freunden zusammen sein, mein Gehirn anstrengen und viel, viel Spaß haben.

Da freue ich mich drauf.

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Digitales Geld. Sicher? Sinnvoll?

Posted by Tim E. on Mittwoch, Oktober 07, 2009
Ein fast jeder dieser Leser wird wohl ein eigenes Bankkonto - oder zumindest davon gehört - haben.

Nun, ein Bankkonto ist ja prinzipiell und sehr grob betrachtet eine Sammelstelle für Geld. Jedoch werden nicht kleine Scheinchen durch die Rohre gepresst, sondern nur der Wert des Geldes gespeichert. Und dieses digitale Geld ist dann, so versprechen uns Bank und sehr viele Unternehmen, "überall abruf- und abhebbar".

Grundlegend gibt es auf eine Aussage keine Antwort. Jedoch erlaube ich mir an dieser Stelle, eine Antwort (oder zumindest einen Kommentar) zu der obigen Aussage abzugeben: "Nein."

In der Tat ist das mit diesem digitalen bei Weitem nicht so rosig, wie einem vorgegaukelt wird.

So erwachte ich eines Morgens bei meiner besten Freundin, schaute auf die Uhr und hetzte zum Bahnhof, um meinen Zug in Richtung Heimatstadt zu erwischen. Und als ich dann nach 2 Stunden in einem nicht weiter bekannten, von mir auf 700 Einwohner geschätzten Dorf ankam, knurrte mein Magen mit einer solchen Lautstärke, dass Hunde mit eingekniffenem Schwanz vor mir das Weite suchten und Passanten mich erschreckt anstarrtet. Ich bin übrigens sicher, dass der Mann in feschen Tarnmusterklamotten seine Waffe auf mich gerichtet hätte, wäre er nicht gerade außerdienstlich und unbewaffnet.

Dass ich in diesem Dörfchen keinen einzigen Laden fand, der auch nur den Krümel eines guten Stückchen Nahrung anbot, muss ich wohl kaum sagen. Und so wartete ich grummelnd und brummelnd am Bahnhof auf den nächsten Zug in Richtung Zuhause, stieg ein und wurde knapp 40 Minuten später im Bremer Hauptbahnhof rausgeschmissen.

Bremen. Große Stadt. 1 Stunde Aufenthalt. Das sollte doch für eine Fressorgie mittleren Ausmaßes reichen.

Es gab nur ein einziges Problem: Ich hatte überhaupt kein Bargeld bei mir. Nagut, vielleicht 35 Eurocent, aber damit kommt man bekanntermaßen nicht sonderlich weit. Selbst die Bäcker verdrehen bei solchen Quantitäten an Barem die Augen und pfeifen nach den Sicherheitsbeauftragten. Doch ist meine Wenigkeit Besitzer einer Geldkarte der Sparkasse, auf der wohl genug Geld in digitaler Form schlummern sollte.

So zückte ich das Stückchen Plastik und schritt, große Bögen um starke Magneten machend, auf den nächsten Fast-Food-Laden zu, der sich meinem Auge anbot.

Burger King. Nicht meine liebste Wahl, aber gut genug.
Also rein in den Laden, brav angestellt und schließlich, als ich an der Reihe war, meine Bestellung aufgegeben. Mich umschauend stellte ich endend nebensächlich die Frage "Kann ich an dieser Kasse mit Karte bezahlen?", während meine Augen schon auf dem Apparat vor mir ruhten, als es plötzlich unangenehm ruhig um mich wurde.

Und als sogar das nervig penetrante Piepen der Friteuse verblich, schaute ich langsam auf, direkt in die entsetzten Augen der starr gewordenen Angestellten. Und nicht nur sie, scheinbar der ganze Laden hatte seine Augen (in den meisten Fällen zwei an der Zahl) auf mich gerichtet, als wäre ich ein Gesuchter und Verachteter.

"Tut mir Leid, hier können Sie nicht mit Karte bezahlen", waren die eiskalten Worte, die die Frau im Königsoutfit mir entgegenzischte.

"Aber..." waren meine Worte und mein rechter Zeigefinger deutete auf das EC-Lesegerät der Kasse, doch sie unterbrach mich im Ansatz.

"KEINE EC-Abbuchung. Der Nächste!?"

Ich nickte resignierend und machte Platz für die gehobenere Schicht. Die mit dem Bargeld. Burger King war sowieso noch nie so toll gewesen. Idioten. Aber es gibt ja auch noch andere Schnellimbissrestaurants in diesem Lande. Oder dieser Stadt.

McDonalds war die nächste Anlaufstelle. Etwas außerhalb des Bahnhofs, nachdem ich zwei Straßen überquert hatte, präsentierte es sich in der Sonne räkelnd und nur auf mich wartend.
Wie in König zog in bei Donalds ein, stellte mich brav an und zückte mein bargeldloses Zahlungsmittel.

Der Tritt des Verkäufers, der mich auf die Straße beförderte, tat nicht minder weh als der Hass, den mir das Restaurant entgegenspie.

"Lass dich hier nie wieder blicken, Abschaum!", waren, so glaube ich, seine letzten Worte.
Ich rappelte mich auf und sammelte meine Reisegegenstände zusammen, die bei meinem Fluge verloren gegangen waren.
"Ey, haste ein bisschen Wechselgeld für mich?", fragte eine schöne Punkette, die auf dem Gehweg neben ihrem Hund saß.
"Tut mir Leid, ich hab nur EC-Karte", war meine Antwort.
"Hm, das ist schlecht", meinte sie.
"In der Tat", waren meine letzten, gemurmelten Worte, als ich mich in Richtung Bahnhof davonschlich.

Burger King, McDonalds - pa, alles Lappen! Keine Geschäfte mit Courage - oder zumindest dem Wissen, wie man ein EC-Kartenlesegerät bedient! Mit solch einem Abschaum der Gesellschaft wollte ich nichts zu tun haben. Und McDonalds war sowieso noch nie mein Favorit gewesen.
Mir war sowieso eher nach etwas nahrhaftem, das auch ein bisschen im Magen verbleibt und nicht gleich vom Körper absorbiert wird und noch mehr Hunger hinterlässt, als vorher bestand.

Subway. Erste Wahl.

Ich lunzte um die Ecke, in das Lokal. Eine Person bestellte gerade, ansonsten war nur die Angestellte anwesend. Perfekt. EC-Lesegerät? Vorhanden. Also los.

Erhobenen Hauptes stolzierte ich herein, stellte mich an, eruierte die Möglichkeiten meines Subs und lächelte, als ich schließlich an der Reihe war, die Frau nett an. Sie lächelte zurück. Ob ich mit Karte zahlen könnte, war meine Frage, nebensächlich, aber vernehmbar. Ihr Lächeln erstarb.
Sie entschuldigte sich, sie könne keine EC-Karten entgegennehmen. Ich deutete auf das Lesegerät und schrie ihr fast die Bezeichnung des Apparates ins Gesicht.

Sie war knapp einen Kopf kleiner und schaute mich traurig an. Es tue ihr Leid, und sie wiederholte sich, sie könne keine Kartenzahlung annehmen.

Ich schaute mich um, versuchte es auf die Mitleidstour, winselte, bemerkte, dass keiner außer uns beiden anwesend sei, dass das doch auch Geld sei, aber sie ließ mich nicht mit meiner verfluchten Karte bezahlen. Ob sie nicht fähig war, mit dem Ding umzugehen oder es ihr nicht erlaubt war - das verschwieg sie mir.

Draußen, in der Bahnhofshalle, nahm ich zum ersten Mal meine EC-Karte unter die Lupe. Irgendwelche Hörner, die die diabolischen Taten erklären würden, fand ich nicht.

Ich probierte es gar nicht erst bei einem Bäcker oder bei einem Fischbrötchenstand.


Digitales Geld ist verhasst und verpönt. Und obwohl ich knurrenden Magens noch weitere 2 Stunden warten musste, kann ich die Leute jetzt, knapp 2 Wochen nachdem Vorfall, verstehen. Warum? Weil ich Geld nach Österreich überweisen wollte.


Es begab sich, dass meiner Schwester, wie 99% aller anderen Besitzer dieses Planeten auch, das rechte Schanier ihres Nintendo DS Lite durchbrach. Grund dafür? Die Kraft der Federung, in dem rechten Schanier enthalten, muss von einer dünnen Plastikschicht gehalten werden, die einfach irgendwann nachgibt. Materialermüdung. Nintendo interessiert das nicht wirklich.
Jedenfalls bestellte ich im Internet auf einer Webseite eines Österreichers ein neues Gehäuse und einen passenden Schraubendreher - und fotografierte seine Kontodaten mit meinem Handy, um anschließend den anfallenden Betrag bei meiner Bank zu überweisen.

Irgendwie war mir schon vorher klar, dass das nicht so einfach klappen könne. Irgendwie wäre das zu einfach gewesen - einfach 1 Stunde im Internet suchen, ein komplettes Ersatzgehäuse für knapp 16 Euro bestellen und das dann auch noch in 4 Tagen liefern zu lassen - in der Tat ergab sich in der Transaktion ein kleines Problemchen: Die Kontonummer meines Empfängers ist 11 Stellen lang - der Automat und auch der Schein nehmen nur 10 Stellen an.

Als ich also krampfhaft probierte, dem Aparillo die 11. Stelle der Nummer einzuhämmern, öffnete sich hinter dem Dialog ein kleines Konsolenfenster, das jeder Benutzer kennt, der schon einmal auf seinem PC die Windows-Taste und gleichzeitig "r" gedrückt hat und schließlich den Befehl "cmd" ausführte.

Ich, als verspieltes Subjekt, richtete meine Aufmerksamkeit auf diesen Dialog. Irgendein Programm in D:\finanzit\sys\Radia\Client hatte Fehler verursacht, das Programm war irgendwie in eine Warteschleife geraten und offenbarte mir das kleine Konsolenfenster, das wohl eigentlich nicht zugänglich sein sollte.
Ich klickte also das Konsolenfenster an und gab, nur aus reinem Interesse, den Befehl shutdown -s (fährt wohl den Computer herunter) ein - leider ohne Erfolg. Da ein Prozess am Laufen war, konnte ich nichts machen - außer den Prozess abzubrechen. Nachdem ich jedoch vergeblich die Strg-Taste auf der Tastatur des Automaten gesucht hatte, seufzte ich leise und klickte wieder auf das Dialogfenster der Kontonummer - nur, damit sich am unteren Bildschirmrand die Taskleiste des Betriebssystems Windows XP einblendete (übrigens nicht im normalen Blau, sondern Silber!).

Ich schaute kurz verwirrt. Das Programm, das unser Geld verwaltet läuft auf stinknormalen Windows-Rechnern? Ein Seufzen entfuhr mir, als ich auf den Startbutton klickte.

Leider erinner ich mich nicht daran, ob ich daneben geklickt habe oder der Fokus wieder gewechselt wurde, jedenfalls hatte ich auf einmal nur noch das normale Überweisungsprogramm auf dem Schirm.

Einziger Unterschied: Der rote, große Kästchen mit der weißen Schrift: "Dieses Gerät ist zur Zeit außer Betrieb!"


Schmunzelnd verließ ich die Filiale. Doch die eigentliche Frage, die sich mir stellte, war: Was hätte ich alles tun können, hätte ich es geschafft, die Bildschirmtastatur zu öffnen? Was hätte ich erreichen können, hätte ich die Prozesse alle abschießen können?


Irgendwie kommt mir das Banksystem nicht mehr sonderlich sicher vor. Und genau das ist der Grund, warum ich langsam verstehe, warum die Fast-Food-Ketten kein digitales Geld haben wollen.
Oder sie wissen wirklich einfach nicht, wie man die verdammten Geräte bedient.

1

"Was läuft?" "Mein Bruder und mein Rechner."

Posted by Tim E. on Dienstag, August 25, 2009
Heute ist Cookie, eines unserer Meerschweinchen, 5 Jahre alt geworden.

Gleichzeitig verstarb jedoch unser letzter von acht Kanarienvögeln im Alter von 13 Jahren. Möge die Seele aus dem blinden Körper entfliehen und wieder fliegen in den Weiten des Himmels.


Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Wirbelsäulen-OP meines Bruders geglückt und gut verlaufen ist. Zwar trägt er jetzt zwei Titanschrauben nebst Überbrückungsplatte mit sich herum, jedoch werden diese helfen, dass der Kleine bald wieder rumhüpfen kann.
Im Rahmen seiner Genesung wird er übrigens neuerdings von Zeit zu Zeit von einigen Schwestern genötigt, ein Korsett anzuziehen, das den Rücken stabilisiert, um nach seinem fast einwöchigen, horizontalen Aufenthalt endlich wieder einige tapsige Schritte in die eine oder andere Richtung zu gehen.
Und man muss sagen, dass es schon gar nicht so schlecht aussieht. Jedenfalls für jemanden, der in der Mitte durchgebrochen war.


Was sonst?


Schauen wir doch einmal in meine Blogleser. Oder genauer: in meine Blogleserinnen. Dort, unter den Massen von Wesen weiblichen Geschlechts (an guten Tagen sicherlich gleich 4!), sitzt eine junge Frau in dem Beutel eines Kängurus, mit einem kleinen Koffer im Schlepptau und wird gleich Deutschland für eine gute Zeit verlassen. Ihr Ziel, man glaubt es kaum, ist Australien! Doch sie wird meine Schreibseleien auch noch dort verfolgen, die Treue (sollte sie nicht gerade mit einem Fischkutter schwarz über China einwandern wollen). Und dafür danke ich ihr. Und wo ich schon dabei bin, entschuldige ich mich für die vielen Male, in denen ich mit qualitativen Blogeinträgen auf mich warten ließ. Aber meine kleine Auswanderin hat mir oftmals im Englischunterricht an das Schienbein getreten, die Hände in die Seiten gestemmt und mit einem grimmigen Grinsen "Blog wieder!" befohlen. Das hat mich schon motiviert.

Meine Liebe, mach es gut in dem fernen Land. Nimm dich vor Krokodilen in Acht. Und Haien. Und vor Korallen und Quallen und Tintenfischen. Oder Rochen. Und Kängurus können btw. gut zuschlagen.

Auf bald!

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Sport ist Mord.

Posted by Tim E. on Donnerstag, August 20, 2009
Niemand könne erzählen, dass er sich nicht genug aufgewärmt hätte.

"Die Muskeln, die pennen ja noch, mach mal was, lauf mal im Kreis, damit die in Äktschn kommen!"

Und trotzdem waren es nicht die Muskeln, die aufgrund ihrer Inaktivität versagten, sondern vielleicht einfach die Angst, auf dem Kopf zu stehen und die Unfähigkeit, mit einer solchen Situation umzugehen, da sie noch nicht vorkam...


Was passiert ist?


Mein Bruder ist gestern beim Schulsport, genauer beim Üben des Handstandes, auf den Rücken gefallen.

Heute muss er operiert werden.

Denn er hat sich einen Lendenwirbel gebrochen.



Ich hab Angst. Angst, dass etwas bei der Operation nicht so funktioniert, wie es soll.

Angst, dass sie 24 Stunden zu spät operieren.

Angst, dass der Gute danach nie wieder laufen kann.



Schicksal oder Vorbestimmung hin oder her, das suckt nur auf eine mächtige Weise.
Ich kann nicht ändern, was geschehen ist - und momentan kann ich auch nicht auf das Geschehen eingreifen, was kommt... ich sitze hier machtlos und kann nur hoffen, dass alles gut geht.

So gut, dass mein Bruder wieder eines Tages springen und hüpfen kann...



Ich glaube nicht wirklich an einen Gott... und bin zudem der Ansicht, dass, sollte es ihn geben, seine Pläne sicherlich nicht sooo unbedeutend sind, dass eine Hand voller Gebete sie umändern können... deshalb drücke ich dem Kleinen die Daumen und klopfe auf Holz.

Auf das alles gut gehe...

... denn ich liebe dich, mein Kleiner.

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Are you trve yet? - Prologue

Posted by Tim E. on Sonntag, August 02, 2009
*klick*

Meistens ist dies der Anfang. Man klickt auf einen kleinen Link und wird zu einer Achterbahnfahrt eingeladen, die manchmal ein schwerwiegendes Ende nehmen kann. Dies muss nicht unbedingt negativ sein, soll eher jedoch deutlich machen, dass hinter einem scheinbar harmlosen Klick eine Aktion stehen kann. Vielleicht auch eine Große.

Und so klickt der gute Junge bei einer seine Lieblingsbands, sagen wir einmal, dass es 'Schandmaul' sei, auf die Website und sieht dort, dass sie dieses Jahr auf dem sogenannten "Wacken Open Air" spielen werden.

"Cool, meine Band spielt auf einem Festival! Das muss ich natürlich sehen!"


Da unser Beispielsjunge nur wenig beschränkt, jedoch nicht strunzendumm ist, schafft er es auch tatsächlich, ein Line-Up des W:O:A 09 in die Finger zu bekommen. Und da fällt ihm dann auch auf, dass 'In Extremo' ebenso spielt, die meinetwegen auch zu seinen Lieblingsbands gehört.

Und da unser Freund schon einmal in einem Park mit Freunden und Musik gegrillt und Alkohol getrunken hat, sowie mal beim Bauen-Ernte-Dank-Lümmel-Fest einer Blaskapelle zugehört hat, die auf einer 2x3-Meter-Bühne gespielt haben, kauft er sich ein W:O:A-Ticket, schultert ein Zelt (denn er hat auch erfahren, dass man da zelten muss) und schuht los.


Sollte es nicht "stiefeln" heißen, anstatt "schuhen"?

Die Antwort ist eindeutig: Ja.


Und genau das ist das Problem.



---Dinge, die man auf einem Festival wie dem W:O:A beachten bzw. vermeiden sollte---

"Festivaltaugliches Schuhwerk wird empfohlen."
Und das sind EBEN NICHT Chucks von Converse oder Norris, Turnschuche, Halbschuhe, Hochhackiges o.Ä. Denn es gibt zwei entscheidende Punkte, die euch das Festival zu der größten Qual machen können.

  1. Erde + Wasser + Menschenmassen, die trampeln = MATSCH!
    Und eines darf man sagen: Wacken ist berühmt für seinen Matsch. Und das wird unser Chucks-tragender Jüngling auch erfahren, wenn er bis zu dem Schienbein in gutem Schlamm steht. Und versinkt.
  2. Gute Musik + Alkohol + Menschen = Ausgelassene Laune = PARTEY!
    Und die Party ist in der Menschenmenge für den Chucks-Träger immer gleich: Jemand springt ihm bester Laune mit einem sanften, wohltuenden *knack* mit der Ferse und harter Sohle auf die Zehen. Das war es dann wohl mit dem Feiern. Ende im Schacht. Lampe aus und Ruhe.
Ich war dieses Jahr erst das zweite Mal auf/in Wacken. Und ich muss dennoch sagen, dass ich entsetzt bin. Denn mindestens 50% trugen Turnschuhe o.Ä., versanken und schlurften schmerzverzehrten Gesichts davon.

Doch was ist der festivaltaugliche Schuh?
Die Antwort ist leicht. Wer zum Festivalgelände stiefeln möchte, benötigt... Stiefel!

Mein Tipp: Zum nächsten BW-Shop schuhen, sich ein Paar Kampfstiefel in passender Schuhgröße aussuchen (gerne mit Stahlkappe und nicht nur gehärtetem Leder), die Dinger 2 Wochen einstiefeln und das Festival genießen.


Nun, unser Medieval-Fan, ich nenne ihn mal Siegfried, hat sich also Stiefel gekauft und steht in einer schicken Meute, die Schandmaul bejubeln. Siegfried hat auch schon gut gesoffen, tanzt und wedelt mit den Armen, als er auf einmal von hinten angestubst wird. Nicht oft. Vielleicht 3 Mal.
Er denkt sich vielleicht, sofern er noch denken kann, dass er weniger exzessiv tanzen solle. Oder er bildet sich ein, dass jemand ihm zeigen möchte, dass er den ausgelassenen Tanzsstil mag.

Aber über was auch immer sich Siegfried gerade den Kopf zerbricht, zerbricht auch der Crowdsurfer Siegfrieds Kopf.
Das ist nicht metaphorisch zu verstehen.

Crowdsufer, der: Ein Besucher eines Festivals, der sich von anderen Fans bei dem Spielen einer Band hochheben und von der Fangemeinde bis zur Bühne "durchreichen" lässt. Er schwebt also förmlich über der Menge.

Doch da Siegfried zur Band - sprich nach vorne - schaut und der Crowdsurfer von hinten kommt, wird letzterer nicht gesehen. Und sollte dort nun ein 90-kg-Metalhead angekrault kommen, so benötigt es vieler Hände, um das Gewicht gleichmäßig zu verteilen und den armen Kerl nicht untergehen zu lassen. Und aus diesem Grunde wurde Siegfried angestubst. Damit er sich umdrehen und seinen Teil zum Spaß anderer beitragen kann. Und damit ihm keiner auf den Kopf fällt.

DO
  • Auf Antippen mit Umdrehen reagieren und Crowdsurfern surfen helfen.
  • Ab und an von alleine umdrehen und sich einen Überblick verschaffen, wer da gerade auf einer Welle angeritten kommt.
  • Leute anstubsen, wenn ein Crowdsurfer da ist. Ruhig zu früh, als zu spät.
Nun, nehmen wir einmal an, dass Siegfried das auch erkannt hat. So dreht er sich um, nimmt den Surfer mit auf und schleudert ihn nach vorne, damit er weiter feiern kann.

DON'T
  • Crowdsurfer "schubsen"oder "schleudern", sodass sie ein Stückchen fliegen. Dadurch fallen sie in 90% der Fälle auf eine Menge Zuschauer, die noch nicht auf den Surfer vorbereitet waren. Dies tut somit sowohl dem Surfer weh, der meistens kopfüber in die Menge kracht, als auch der Menge, die von einem beschleunigten Kopfspringer begraben wird.
DO
  • Mithelfen, wo es geht. Und sei es auch nur der Unterarm, der gehalten wird. Oder der Fuß. Besonders letzterer ist wichtig. Nicht aufgrund des Gewichts, sondern eher, damit der meist dreckige Stahlkappenstiefel durch das Auf und Ab der Wellen nicht jemanden versehentlich am Kopf trifft.
Siegfried hat auch das verstanden. Und als dann endlich Musik und Alkoholpegel es zulassen, tippt er drei bis vier Umstehende an und deutet mit den Daumen gen Himmel - Siegfried will selber ein Crowdsurfer sein. Also wird er von den netten Nachbarn hochgehoben und hoffentlich nicht geschmissen. Doch weil das Lied so unglaublich gut ist, zappelt Siegfried wie ein bescheuerter Penner. Am Besten sieht man die Band zudem noch, wenn man sich setzt. Super.

DON'T
  • "Sitzend" getragen werden, die Körpermasse kann nicht mehr verteilt werden und die Auflagefläche ist zu klein, man fällt runter.
  • Rumzappeln, das macht es viel zu schwierig, den Surfer oben zu halten und nicht selber umzufallen.
Stattdessen ist Körperspannung angesagt! Apropos Körper: Angenommen, Siegfried sei ein Mädchen und hieße Sina, so müsse sie ein gutes Stück mehr Selbstvertrauen aufbringen, um über die Menge zu gleiten. Denn 30% aller Hände gehen an die Brüste (auch wenn diese oben sind, man also auf dem Rücken schwimmt!), 50% an den Arsch und die restlichen 20% wiederwillig an die wichtigen Orte wie Füße oder Rücken. Man fällt also als Mädchen nicht nur schneller, sondern wird auch noch befummelt. Und wehe Sina, wenn sie nur BH+Unterwäsche oder Bikini trüge... Hände sind wie Elstern.

Nun, Sina oder Siegfried kommt unbeschadet und angezogen ganz vorne an, wird von Security-Mitarbeitern aus der Menge gefischt und aufgefordert, in die Menge zurückzukehren. Schön und gut, doch hat Siegfried leider seine Kumpels in dem Getümmel verloren. Was nun?

DO
  • Einen Treffpunkt ausmachen, falls man sich verliert und gerade nicht immer 1,20 € oder mehr für SMS des Anbieters seiner Wahl ausgeben will. "Pommesbude neben dem Partystageeingang" oder "Hinter der Behindertentribüne" klingt doch ganz gut. Und das findet man auch. Und dann auch sich.


Meine Augen fallen zu. Ich habe so lange mit meinem Wanderrucksack auf Bus und Bahn gewartet, dass mein Rücken schmerzt und ich kleine Blutergüsse an den Schultern habe. Keine große Sache, sieht aber doof aus. Geschlafen auf einem Schlafsack ohne Unterlage habe ich mich trve an den harten Erdboden geschmiegt, in der Morgensonne im Zelt gebrutzelt und mich dann der lauten Musik, den langen Märschen vom Lager zum Festivalgelände und der tobenden Meute ausgesetzt.
Ganz nach Metal-Art habe ich 5 Tage lang nicht geduscht, obwohl ich jeden Tag geschwitzt habe wie ein Arbeiter auf dem Bau, mich der Schweinegrippe hingegeben und einfach mal gefeiert.

Wenn ich einen klaren Kopf hätte, würde ich sicherlich noch mehr schreiben können, was mich an den Leuten aufgeregt hat. Dieses Jahr waren besonders viele Penner dabei...

Doch nun möchte ich einfach nur noch in mein Bett fallen.

Metal hin oder her...

... und wenn ich auch die Musik laut anlasse, während ich mich in meine Kissen mummel.

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