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Das Leben von Fandras Lorano Buchenblatt

Posted by Tim E. on Montag, Juni 09, 2008
Ich habe in den letzten drei Tagen eine Charaktergeschichte für einen Charakter des MMORPGs Ultima Online für den Server Siebenwind erstellt und möchte euch diese umfangreiche, wunderschöne und traurige Geschichte nicht vorenthalten. Und ja, ich bin schon stolz auf diesen Text.




Ihr wollt etwas über mich erfahren? Ich soll mein Leben umreißen, Euch Auskunft geben über Einschnitte und Abschnitte meines Seins? Ihr wollt über meine Herkunft erfahren, warum ich auf diesem Schiff nach Siebenwind bin, was meine Absichten sind? Nun, ich habe Zeit und bin gewillt, Euch eine Geschichte, genauer gesagt meine Geschichte, zu erzählen.

Mein Name ist Fandras Lorano Buchenblatt – und wahrscheinlich spuken nun schon Fragen wie „Warum ist sein Name von so sonderbarer Art?“ durch Eure Köpfe. Ich fange am Besten einmal ganz vorne an.
Geboren wurde ich am 3. Dular, 10 vor Hilgorad, also im Jahre 124 nach der Krönung Gernods.
Meiner Familie gehörte eine Parzelle in den Feuerwäldern der Kadamark in Galadon, Falandrien, in der sie Holz für den Baron zu Kadamark fällten. Obwohl die Geburt von Zwillingen an dem Festtag Vitamas eine besondere Ehre der Eltern sein sollte, waren sowohl mein Vater Albed als auch meine Mutter Gloria wenig begeistert. Das mir Wahrscheinlichste ist, dass es mit der Anzahl seiner Kinder zusammenhing. 4 Kinder, vielleicht sogar alles Söhne, wären eine göttliche Anzahl, doch mit 5 Kindern steht man verpönt und vielleicht auch als Böser verachtet, dar. Im Nachhinein bin ich verwundert, dass wir beide überlebten und nicht einer oder sogar beide getötet wurden.
Sie gaben mir den Namen Lorano, meiner Schwester den Namen Muriel. Zusammen mit meinen drei größeren Brüdern Thorben, Feestar und Ianos bildeten wir die Familie Baun, langjährige Holzfäller und recht tüchtige Lieferanten.
Während Muriel und ich zwischen Scheiten und Spänen Laufen und Reden lernten, mussten meine Brüder schon mit meinem grobschlächtigen Vater in den Wald, um den Holzvorrat anzulegen, der nötig war, um die Pacht zu bezahlen und den Lebensunterhalt zu verdienen. Grobschlächtig? Nun, er war wie man sich einen Arbeiter vorstellt, der den ganzen Tag zwischen fallenden, sterbenden Bäumen umher rennt und die nötigen Schläge mit der Axt setzt: Groß, kräftig und abgehärtet. Doch hinzu kamen Jähzorn, Wut und eine sehr geringe Aggressionsschwelle, bereits bei kleinsten Nichtigkeiten kam sein Groll zutage. So kam es auch an einigen Tagen zu Schlägen an seinen kleinen, kaum 5 Jahre alten Kindern – meiner Schwester und mir. Meine Mutter schien diese Grausamkeit und Ungerechtigkeit geschickt zu ignorieren, ich kann mich nicht erinnern, dass sie sich vor ihrem Mann jemals für uns eingesetzt hätte. Der einzige Ort, an dem wir uns sicher fühlten vor dem Leid, war der Wald. Verlassene Bauten von Tieren, Erdlöcher, Gruben zwischen den Wurzeln alter Eichen und Buchen, all dies schien wie geschaffen für uns kleine Kinder.
Muriel war es, die sich immer die abenteuerlichsten Geschichten ausdachte, in denen es sich fast immer um die Reise drehte, sei es weg von unserem Haus und den bösen Drachen, als welche wir unsere Eltern bezeichneten oder eine Fahrt mit dem Schiff, welches ein hohler Baum von enormer Länge war.
Muriel fand immer neue Verstecke, Nischen und Spielplätze, während meine größeren Brüder, insbesondere Feestar, uns, wenn auch selten, mit Fabeln oder Märchen beglückten – oder öfters noch – verängstigten.
Mein frühes Leben bis zu meinem 10. Lebensjahr bestand aus all diesen Elementen: Furcht, Flucht, Fantasie, selten einer schönen Tat der restlichen Familienmitglieder. Muriel und ich, wir waren unzertrennlich, gingen gemeinsam durch Dick und Dünn. Wir halfen uns, ergänzten uns, saß einer in der Klemme, half ihm der Andere. Nun, ehrlich gesagt half mir Muriel wohl häufiger als ich ihr, was wohl nicht zuletzt mit meiner extremen Schüchternheit zusammenhing.
Doch all dies änderte sich. Jedoch nicht, wie man hoffen könnte, zum Guten. Allenfalls zum Besseren, und das auch nur nach längerer Zeit und lediglich für mich. Doch ich erzähle Euch den gesamten Umstand.
Eines Abends im späten Bellum saßen wir in unserer Hütte bei dem allabendlichen Mahl, welches man wohl eher als notdürftiges Essen bezeichnen konnte, denn die Preise für Lebensmittel stiegen und wir verdienten nicht mehr Geld für das Fällen der Bäume als üblich. Das Essen neigte sich dem Ende und wieder, als mein Vater auf mich schaute, fing seine Hasstirade über mich an. „Nichtsnutz; zu klein ist er; kann nichts, sollte aber helfen“, solches, ähnliches und anderes regnete auf mich nieder. Es war sein liebstes Thema, zu lästern und zu dämmern über mich, sein fünftes, sein schlechtes, verkümmertes Kind. Doch an jenem Tag war es mehr, es war schlimmer denn je. Durch mich wurde seine Wut, sein Zorn auf die Bäume, den Wald, die Menschen, den Baron, das Steuersystem, die steuereintreibenden Ritter und Söldner kanalisiert und er ließ es ohne Gnade an mir aus.

Ich tat das in meinen Augen einzig richtige.

Ich floh.

Ich rannte in den Wald, rannte, weinte, die Sicht getrübt von Tränen, der Weg verschleiert durch die Nacht, die Ohren taub von dem Geschrei.
Ich rannte, überschritt die Grenze des von Muriel und mir erforschten und rannte so weit, so verletzt, so zerstört in meinem Inneren, bis ich sank auf die Beine, der Kräfte endgültig beraubt durch Verzweiflung und Not.
Und dann, dann kam die Angst.
Ich wurde umhüllt von der Nacht, der Kälte, den Mythen und Sagen, dem Glauben an das Böse und das Gemeine, den gruseligen Geräuschen und dem zerfressenden Alleinsein.
Ich weiß nicht mehr, wann ich in Schlaf sank, angelehnt an einen alten, großen Baum, Schutz suchend zwischen seinen mächtigen Wurzeln. Ich kann auch nicht sagen, wann ich erwachte, das Blätterdach war so dicht, dass lediglich ein diffuses Dämmern den Boden etwas erleuchtete, doch eine genauere Bestimmung der Tageszeit unmöglich war. Ich sah mich soweit um, wie es meine geringe Größe zuließ und entdeckte die Waldbühne. Nur in meiner Fantasie war sie der Platz, wo all die gedanken stattfinden sollten. Und so saß ich und wartete.

Das Erste, was aus dem Gebüsch auf mich zutrat, war die Natur. Groß und schön stand sie da, präsentierte sich mit all ihren Facetten und Raffinessen und verlangte mir eine Menge Faszination und Begeisterung ab. Pflanzen, die ich zuvor niemals sah: Übergroße Farne, seltsame, sich um Bäume rankende Gewächse, mit Stacheln bewehrte Stängel; ich war von der Vielzahl und der Größe, um nicht zu untertreiben, erschlagen.
Das Zweite, was in mein Sichtfeld trat, war die Erinnerung. Sie kam langsam, etwas hinkend, geschwächt durch die gestrige Anstrengung. Sie war geflohen von dem grausamen Heim, alleine und ohne Acht auf die Zukunft, mitten in den Wald. Mir schauderte.
Gleich hinter der Erinnerung kam die die dritte Person, die gegenwärtige Situation. Irgendwo in einem Teil eines Waldes sitzend, den sie nicht kannte, ohne Idee, von wo sie kam, ohne Orientierung. Ihr von Angst und Panik durchfurchtes Gesicht ließ mich wieder mit dem Weinen anfangen. Ein Schluchzen nur, doch als die Erkenntnis, die Vierte im Bunde, die Waldbühne betrat, brach ich wieder vollends in Tränen aus. Verlassen, allein… Ich hatte keine Hoffnung.
„Wie geht es nun weiter? Du hast ja überlebt, sonst säßest du uns zu diesem Zeitpunkt nicht gegenüber!“, werdet Ihr nun denken. Nun, ich will es Euch gerne sagen. Denn dies war der Zeitpunkt, wo sich mein gesamtes Leben ändern sollte.
Wie gesagt war ich feige, schwach und die Abenteurerin war immer Muriel gewesen. Alleine habe ich mich kaum zwei Schritte aus dem Hause gewagt. Und nun saß ich da so alleine, ohne eine helfende Hand, aber auch ohne Glauben, denn das war es, was man Muriel und mir vorbehielt. Und nur, um euch nicht schockend mit den Gedanken „Wir reden gerade mit einem Anhänger des Einen, einem Gottlosen!“ sitzen zu lassen sei gesagt: Ich glaube sehr wohl. Wie es dazu kam, erzähle ich auch noch. Nun will ich aber fortfahren mit meiner Geschichte.
Irgendwann beschloss ich, mich zu bewegen. Ich hatte Hunger und Durst und mir war bewusst, dass ich nicht ewig zwischen den Wurzeln eines Schwarzbaumes sitzen und auf Hilfe hoffen konnte. So stolperte ich zwischen Bäumen und Sträuchern, seltsamen Blumen und großen Gräsern umher, das Ziel vor Augen habend, aus dem Wald herauszufinden. Gegen Abend, der Tag neigte sich seinem Ende, fand ich endlich ein paar Beerensträucher mit mir bekannten Beeren, die ich gierig verzehrte. Nur meinen Durst konnte ich nicht stillen. So bedeckte ich mich mit Blättern einer tief über dem Boden wachsenden Pflanze und legte mich zwischen Wurzeln einer prächtigen Eiche zum Schlafe, auch wenn ich lange bangte und immer noch enorme Angst vor den Unwesen der Nacht hatte.
Der Morgen begrüßte mich mit Vogelgezwitscher und einer sich langsam ausbreitenden Wärme, die die zunehmende Kälte des Bellum etwas vertreiben sollte. Ich warf die Blätter beiseite und schüttelte mich, um die Nässe der Nacht aus meiner Kleidung zu vertreiben. Nässe? Wasser! Gierig schlürfte ich den Tau von mehreren großen Blättern, bis mir der Flüssigkeitsmangel behoben schien.
In den folgenden Tagen fühlte ich mich zunehmend sicherer, wenn auch nicht wirklich besser. Mein Nahrungsproblem schien durch das Sammeln von Beeren vorerst gedeckt, mein Durst durch Tau gestillt. Doch ich fand nicht aus dem Wald heraus. Beständig bleib sein Dach dicht, kein Weg, kein Pfad konnten mir die Richtung weisen. Und obwohl ich meiner Meinung nach weit lief, kam ich niemals an einen Steinwall, der das Ende einer jeden Parzelle markieren sollte.
So wanderte ich weiter. Ich verstand mich immer besser mit den Bäumen, die mir Unterhalt gewährten, genoss zusammen mit Kleintieren die Früchte des Waldes, die ich fand.
Nach vielleicht 5 Tagen, also einer Woche, änderte sich das Klima jedoch drastisch. Es wurde kalt, wirklich kalt, und auch zu der Mittagszeit war sie da, die Frostigkeit. Zu allem Überdruss fand ich kaum noch Früchte, mein Magen beschwerte sich stündlich über seine Leere.
Und auf einmal stand er vor mir. So groß wie ich, grau, mit blitzenden Augen und einem schimmernden, von dem Wind geglätteten Fell. Ich bemerkte den Wolf erst, als ich nur noch ein paar Fuß von ihm entfernt stand. Gelähmt und so steif wie ein Ast im allmorgendlichen Reif, so muss ich ausgesehen haben. Wir schauten uns an. Wir schauten uns lange an. Und als der Wolf sich auf einmal abwandte und ging, folgte ich ihm. Ich wusste, dass es richtig war.
Nun werdet Ihr „Du erzählst eine Geschichte, keiner folgt freiwillig einem Wolf“ oder ähnliches denken und mir Lügen vorwerfen, doch muss ich euch enttäuschen. Ich erzähle nur eine einzige Geschichte, nämlich die Meinige. Alles, was ich sage, ist wahr. Und der Grund, warum ich dem Wolf folgte? Ich denke, dass es Schicksal war und jemand mächtiges, dem etwas an mir lag, seine schützende Hand über mich hielt. Ich fühlte, dass es richtig war.
Wir liefen weit. Sehr weit. Wenn der Wolf stehen blieb, stoppte auch ich in gebührendem Abstand meine Schritte. Legte er sich des Abends hin und begann mit seinem Schlaf, suchte auch ich mir ein einfaches Lager, das mir Schutz vor der Kälte der Nacht geben sollte. Morgens war der Wolf stets da und erwachte immer eine kurze Zeit nach mir.
Als sich nach zwei Tagen die Umgebung änderte fand ich wieder mehr Nahrung und auch der Wind ließ etwas nach.
Obwohl die Reise mit dem Wolf meine ganze Energie kostete, war ich nicht enttäuscht oder sauer. Ich war in irgendeiner Weise glücklich. Zu der Maxime des Glücks wurde das Häuschen, was eines Morgens zwischen den hohen Farnen und Bäumen auftauchte. Eine kleine Hütte, inmitten des Waldes. Kleine Flächen, auf denen zu wärmeren Jahreszeiten Kräuter und Gemüse wachsen sollten, lagen um das Haus verteilt, ein kleiner Ofen aus Lehm war ebenfalls vorhanden.
Ich war entzückt. All meine Anstrengung der letzten Wochen wuchs noch einmal zu einem Punkt der gebündelten Spannung an, als ich zaghaft an die Tür klopfte.
Ich war auf vieles vorbereitet: Eine Hexe, die mich verspeisen wollte, einen alten, schrulligen, verschrumpelten Magier mit Bart und Hut, ich habe auch mit kleinen Gnomen gerechnet. Umso größer war meine Freude, als mir ein schlanker, großer Mann mit langem, goldenem Haar und grüner Kleidung, so grün wie der Wald im Astrael, die Tür öffnete. Seine Gesichtszüge, wenn auch eine leichte Verwunderung ausdrückend, beruhigten mich zutiefst und es wuchs in mir die Hoffnung, einen wahrhaft netten Menschen gefunden zu haben.
Wie sich im Nachhinein herausstellte, war er jedoch kein Mensch, sondern ein in der Ebene von Mantrill, genauer den Kernwäldern der Kadamark lebender Elf, der sich von den Gaben der Natur ernährte und sein Leben in aller Ruhe in diesem vor Rodung geschützten Gebiet verbrachte. Er erkannte schnell meine Not, was wahrscheinlich keine Kunst darstellte, da ein kleiner Junge, bekleidet lediglich mit einer Leinenhose sowie eines etwas dickeren Hemdes, inmitten der Kälte des Bellums mehr oder weniger frieren muss. Maeglin Súrion, das war der Name des Waldelfen, der mich in sein Haus bot, meine Kräfte mit Essen, wie ich es längst vergessen hatte und meist nicht einmal kannte, stärkte und sich meine Geschichte anhörte.
Ich könnte Euch viel über ihn erzählen, doch spränge das den Rahmen.
Maeglin nahm mich auf, er war es, der mir auch den Glauben, ein Bastard zu sein, nahm, und es auf das Schicksal der Götter zurückführte, dass ich noch am Leben sei. Er war es auch, der mir, der ich nie viel über die Götter erfahren hatte, die Lehre der Vier, besonders die Vitamas, unterrichtete und mir auch die Elementargöttin Tevra, bei den Menschen auch Rien genannt, nahelegte.
Maeglin war ein Waldläufer, der schon sehr lange in den Kernwäldern lebte und sich ein behagliches Zuhause angelegt hatte. Er pflanzte Gemüse, Getreide und Kräuter in den vorhin genannten Beeten an, buk eigenes Brot in dem kleinen Lehmofen, er schneiderte sich selbst die Kleidung, die er brauchte und nur, wenn er wirklich hungrig war, nahm er sich eines von Riens Rehen, um es vollständig zu verwerten. Ich lernte, wie man aus dem Fell Kleidung, aus den Knochen Waffen und Werkzeug herstellen konnte oder auch, wie man das Geweih eines Hirsches zu einem schmucken und funktionstüchtigen Bogen umzufunktionieren vermag.
Man muss wirklich sagen, dass ich Glück hatte, an eine solch bedächtige Person zu geraten, die jede ihrer Schritte mit Sorgfalt plante und nur das von anderen nahm, um selbst zu überleben. Er tötete nicht Bäume, die, wie er mir beibrachte, auch lebten, er war genau das Gegenteil meines hasserfüllten und grausamen Vaters.
Sorgfältig zog er mich auf, lehrte mich das Schießen mit dem Bogen, das Anbauen von Lebensmitteln wie Gemüse und Getreide, das Lesen von Fährten unter schwierigsten Bedingungen.
„Solange du weißt, wo du bist und wo die Person ist, deren Spuren du ließt, kann dir nur wenig Unerwartetes passieren. Es sei denn, sein Komplize, der auf einem Baum so leise schlief, dass du ihn nicht hören konntest, fällt auf einmal auf dich nieder und wirft dich um.“, sprach er einmal zu mir.
Er teilte sein Waldläuferleben mit mir, zog mich auf wie seinen eigenen Sohn, er zeigte mir dir Liebe, die ich mir immer wünschte.
So zogen die Jahre in das Land und gleich, ob ich mich in dem Sprechen und Schreiben von Sprachen übte, mit Maeglin den Wald durchwanderte oder mit dem Wolf, den ich richtig in mein Herz geschlossen hatte, spielte, ich wurde zunehmend der Waldläufer, dieses Individuum des mit der Natur in Einklang und Frieden lebenden, welcher ich immer sein wollte.
Zu meinem 21. Geburtstag bekam ich von Maeglin einen neuen, weiteren Namen, den ich fortan tragen werde, als Erinnerung an meinen Lehrer und Freund.
„Fandras Lorano, der, der aus dem Buchenwald kam und eines kalten Tages an meine Tür klopfte, so sollst du heißen in deinem noch lange anhaltendem Leben“, sagte er, obwohl ich den Namen Lorano, welcher mich an meine Eltern erinnerte, am Liebsten abgelegt hätte. Doch es war Maeglins Wille, diesen Namen zu behalten, auch wenn ich mich nicht mit ihm rufen lasse.
„Es gibt Gutes, als auch Böses in eines jeden Leben. Dir ist Böses, aber auch Gutes wiederfahren. Trage diese beiden Namen als Zeugnis, wie du sowohl Gut, als auch Böse durchgingest und vergiss niemals, von wo du kamst, verwische nicht die Spuren, die du selbst ziehst in den dunklen Wäldern des Seins. So tief du auch in Wald gehst, kommst du immer wieder hinaus, kannst du denn deine eigene Fährte zurückverfolgen. Vergiss dies nie!“

Es war im Jahre 16 nach der Krönung Hilgorads, als mir Maeglin eines trüben Morgens des Onar über die stets voranschreitenden Rodungen in den nahe gelegenen Feuerwäldern berichtete und mich nach so vielen Jahren des Vergessens und auch teilweise Versteckens wieder an meine Flucht aus eben jenen Wäldern und meiner schrecklichen Familie erinnerte. Ich begann, mir wieder Gedanken zu machen, über den Wald, unsere Parzelle, unsere Hütte, meine Mutter, meinen Vater, meine drei größeren Brüder – und Muriel.
„Muriel… was ist nur aus dir geworden?“ Muriel war so lebensfroh, so energiegeladen, so voller Drang, die Welt zu sehen, sie war nicht so wie die Anderen. Mir wurde flau um mein im Gegensatz zu Maeglin unglaublich kurzzeitig schlagendes Herz und Trauer tat sich in mir auf. Fast 15 Jahre war meine Flucht her, 15 Jahre sind in das Land gezogen, ohne dass ich jemals nach meiner geliebten Schwester schaute, es wagte, unserem Hof, ja überhaupt den Feuerwäldern nahe zu kommen.
Ich war groß geworden, fast 5,9 Fuß maß ich, aus dem einst so kleinen und ängstlichen Lorano war ein mit der Natur vereinter, erwachsener Fandras geworden. Ich beschloss, meiner Angst und Wut vor den Kreaturen des schamlosen Tötens der von Gott geschenkten Pflanzen ins Auge zu blicken und mich diesem alten, trotz aller Stunden der Besinnlichkeit und Meditation in mir ruhenden, Trauma zu stellen.
So zog ich, geleitet von des Wolfes Schweife, gen Westen, direkt auf meine Geburtsstätte zu, ich durchwanderte bekannte, doch auch schon bald mir unbekannte Gebiete, in denen ich vielleicht vor 15 Jahren planlos irrte. Die Flora änderte sich rasch und ich stand alsbald vor den alten, mir durchaus bekannten Schwarzbäumen, Eichen und Buchen, die ich auch als Kind so oft sah. Nur zu gut erkannte ich schon von Ferne, sofern es die mannshohen Farne zuließen, den Steinwall, der das Ende einer Parzelle markieren sollte. Und schon bald, viel zu schnell, stoppte mein guter, alter Freund und setzte sich wartend zwischen einen Baum und seinen durch eine oder zwei Äxte getrennten Stumpf. Die nächsten hundert Fuß, die mir eher wie Tausende vorkamen, waren wie ein Gang durch mein Leben. Und mit jedem Schritt erinnerte ich mich an einen Teil aus meiner Kindheit, an die schönen Stunden mit Muriel zwischen Wurzeln und Erdlöchern, und an die schwarzen Stunden, in denen wir gepeinigt.
Doch als man mir die Tür unseres Hauses öffnete, nachdem ich aus der Ferne keinen Bewohner desselben ausfindig machen konnte, war es nicht mein Vater, der mir entgegen blickte. Es war auch nicht meine Mutter oder ein jemand anderer aus meiner Familie. Vor mir stand ein mir völlig unbekannter Mann.
Nachdem solche Begrüßungsfloskeln wie das gegenseitige Mustern, das Naserümpfen und der ausbleibende Handgruß stattfanden, erfuhr ich schnell, was in diesen 15 Jahren vorgefallen war.
Immer weiter durch die wachsenden Steuern und Pacht an das Existenzminimum gedrängt, musste meine Familie die Parzelle verlassen, sie hatte wohl nicht genug Arbeitskräfte, um der Nachfrage standzuhalten. Auf meine Frage an den Mann, ob er wisse, wo die Familie Baun, ich vermeide es, sie als meine Familie zu bezeichnen, infolge der Aufgabe des Betriebs hinzog, konnte mir der Mann keine Antwort geben. Er hätte nur eines Tages, nach Anfrage eine Parzelle bewohnen und bearbeiten zu dürfen, eben diese zugewiesen bekommen.
Ich verabschiedete mich zwar dankend für die Informationen, doch wütend in meinem Herzen, der Geruch von totem Holz hatte lange genug in meiner Nase gerastet. Bevor ich zu Maeglin zurückkehrte, schaute ich mich ein letztes Mal um und schwor, niemals in meinem Leben wieder an diesen Ort zurückzukehren. Obgleich mir mein Lehrer durch seine elfische Art Ruhe lehrte, wächst mein Zorn noch heute zu erschreckendem Maße, treffe ich einen Fäller des Holzes, einen Mörder der Natur, einen Schänder der Gabe der Götter, an.
Zurück in der Hütte von Maeglin, die auch meine Wohnung war, dachte ich lange über das mögliche Leben meiner Schwester nach, über das, was wohl passiert war und ist.
Mein Entschluss, meine Folgerung aus dem Grübeln der Nacht, tat ich meinem Freund Maeglin am folgenden Morgen mit. Und obwohl mein Entschluss mit dem Verlassen des vertrauten Heims, meines Zuhauses, zusammenhing und die körperliche Entfernung von meinem Lehrer, Vater und Freund, Maeglin Súrion, schien dieser eher zufrieden und glücklich, als enttäuscht und betrübt über meine Entscheidung. Seine Worte, dass er gerechnet habe mit diesem Entschluss schon seit langer Zeit und er den gleichen Entschluss an Stelle meiner getroffen hätte, werden mir mein Leben lang in Erinnerung bleiben.
So war ich frei, gesegnet, auf das Leben vorbereitet und mit dem Wunsch, meine Schwester wiederzufinden, verließ ich die Kernwälder und die Kadamark. Der Ring aus dem Holz einer Buche des Gartens von Maeglin Súrion, der fortan meinen linken Ringfinger ziert, ist das letzte Geschenk, das mir mein Lehrer machte.
Ich bin weit gewandert, durch manche Städte bin ich gezogen und manche habe ich großzügig umrundet, immer in den Gedanken, dass wenn ich meine Schwester wiederfinden sollte, sie irgendwo da draußen, in dieser großen Welt sein sollte.
Und in der Hoffnung, dass diese Abenteuerin, deren glänzende Augen sich niemals trübten, war das Wetter auch noch so schlecht, sich entfernen konnte von den Fängen der Ungerechtigkeit und sie auswanderte, in die Teile Tares‘, zu denen ihr Herz immer fliegen wollte, suche ich nach ihr überall dort, wo auch meine Beine mich hintragen.

Ihr wolltet wissen, wie ich auf dieses Schiff nach Siebenwind gelangte? Nun solltet Ihr es wissen.

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Such ruhig weiter nach der Bremse, während ich hier den Fußgängern ausweiche.

Posted by Tim E. on Donnerstag, Mai 29, 2008
Ich muss nicht einmal viele der gefallenen Sprüche oder Situationen aufgreifen bzw. beschreiben und sofort wissen die Meisten, von was ich spreche.

Richtig, meiner Fahrstunde. Aber nicht irgendeiner Fahrstunde, sondern meiner ersten Fahrstunde.

So konnte ich mich nach einem halben Jahr Theorie und einer leicht versemmelten Theorieprüfung doch noch zu Fahrstunden durchringen. Also trabte ich fröhlich bei der Fahrschule an, nistete mich nähernd häuslich auf der Bank vor der Haustür ein und wartete auf Gerd, meinen kompetenten und überaus netten Fahrschullehrer. Etwa zwei Tracks meiner derzeitigen Lieblingsband (Turisas, aber das tut momentan nichts zur Sache) später tauchte auch jener Mann mitsamt Wagen und leicht fertig dreinblickendem Fahrschüler auf.

Sagen wir grob 3 Verabschiedungsfloskeln später war ich es auch schon, der in dem Auto hockte, erwartungsvoll blickte ich mich in dem VW Golf um.

"Aufgeregt? Na, dann wollen wir gleich mal mit dem Schlimmsten beginnen", so ungefähr eröffnet mir Gerd mit leichtem Lächeln und etwas zusammengekniffenen Augen den Unterricht. Und es ist das letzte Mal, dass ich sein Gesicht in dieser Fahrstunde sehen werde.

Es ging auf das Parkdeck der Stadthalle, lediglich zwei Hände voll Autos fanden hier ihre Stehgelegenheiten (man beachte, dass man im binären System bis 2^10 -1, also 1023 mit 10 Fingern zählen kann O__o).
Gerd rückte mit dem Wagen ein wenig hin und her, schaute hier und da hin, murmelte und meinte schließlich: "Gut, hier stehen wir gut (mitten auf der Straße, die zwischen den parkenden Autos durchführt wohlgemerkt), steig du mal hier ein!"

Und so steige ich zum zweiten Mal in meinem Leben auf den Fahrersitz. Das erste Mal war zuhause. Mit 5 Metern Platz zwischen Kühler und Hauswand. Und das Auto springt schon mal 2-3 Meter, wenn man das erste Mal die Kupplung kommen lässt und nicht weiß, was zu tun mit dem Gaspedal... das war auch das Mal, wo ich mir schwor, niemals nimmer wieder nicht in ein Auto einzusteigen.

Genug geschwafelt, nun saß ich da. Pedale, Knöpfe, Hebel, ein Rad und jede Menge Lichter streckten sich mir entgegen, einige beobachteten mich kritisch ("Was will D E R denn hier?"), andere boten sich mir lüstern an ("Drück mich, ich steh drauf!").

"Eigentlich fast alles selbsterklärend. Das ist..." und da hört es auf. Ich weiß nur noch, das Gerd fast jedem Knopf, Schalter, Lämpchen oder was auch immer einen Namen gab, die Funktion erläuterte und bei dem Einen oder Anderen etwas flunkerte ("Das ist die Anzeige für die Batterie. Die zeigt dir an, wann es regnet.").
Und als er sein Potpourri geendet hatte, drückte er mir einen Schlüssel in die Hand und meinte, in verständlichem und kurzem Deutsch ausgedrückt, etwa folgendes: "Kupplung treten ("linkes Bein, linkes Pedal, durckdrücken!"), Schlüssel da rein, hochdrehen, anmachen!"

Um diese Story etwas abzukürzen, umreiße ich schnell die ersten 20 Minuten und komme dann gleich zum interessanten, für mich höllischen Teil. Also:

Anfahren, abwürgen, ausschalten, anschalten, anfahren, abwürgen, ausschalten, Instruktionen bekommen, Smalltalk führen, anschalten, anfahren, rooooollen, voll in die Eisen steigen, abwürgen.
(Ausschalten, anschalten, das spar ich mir mal jetzt, sollte nach abwürgen selbstverständlich sein, ebenso wie das Schalten in den 1. Gang), rollen, zum ersten Mal lenken, um ein paar Autos haarschaf herumlenken, weiterrollen, etwas Gas geben, bremsen, abwürgen.
Etwa 25 Mal das ganze später kam dann Schalten, mitsamt abwürgen und allem, was man braucht. Und daaaaaann...

... dann war es soweit. Ich stand wieder am Ausgangsort (nicht zum ersten Male wohlgemerkt) und wartete. Gerd guckte mich an. Ich konnte es spüren. Aber gesehen hab ich ihn nicht. Die Frau, die hinter mir stand und parken wollte, raubte meine ganze Aufmerksamkeit. Aber Gerd ließ es kalt. Irgendwann gab er dann nach und fuhr den Wagen zur Seite (ob er das machte, um meine Aufmerksamkeit zu erlangen oder für die Frau, ist mir nicht bekannt).

"Ja, das war doch gar nicht mal so schlecht. Und jetzt fahren wir da runter und erst mal in Richtung Tanke. Du weißt doch, wo die Tanke ist?"

Die Frage nach der Tanke erschien mir trivial. Viel mehr interessierte mich, ob ich mit den Mengen Schweiß, die auf einmal meinen Körper verließen, eine Entsalzungsanlage oder ein Schwimmbad betreiben sollte. Alleine fahren? Unter anderen Autofahrern? Nach nur 20 Minuten mehr stehen und Motor quälen als fahren? Ich zweifelte stark.

"Keine Panik. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich helfe dir natürlich. Ich beobachte mal für dich den Verkehr und das ganze drumrum und du fährst. Und ich sage dir, wann wir wo langfahren. Und wenns mal gar nicht geht, helf ich dir richtig. So mit steuern und so. Alles klar? Ab!"


Und somit betrat ich, Tim E. zum ersten Male die öffentlichen Straßen (hoffentlich verzeihen es mir die beiden Mädchen, die ich etwa 5 Minuten auf dem Parkdeck und der Ausfahrt festhielt).




Es sei zwischendurch etwas angemerkt. Gerd ist ein toller Lehrer, auch wenn das bisher etwas fragwürdig rüberkam. Natürlich hat er mich genau instruiert. Und hätte er nicht auf mich aufgepasst, während ich durch die Straßen Braunschweigs zuckelte, hätte ich wahrscheinlich 15 Leute überfahren. Mindestens. Man achte auf den Titel dieses Eintrags. Nur so nebenbei. Weiter gehts!



"Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker setzen, Schulterblick, einlenken, bla, rassel, quatsch. Aber das kannst du dir eh nicht merken. Das kann sich keiner am Anfang. Also sag ichs dir einfach noch einmal, wenns soweit ist. Alles klar?"

Natürlich konnte ich es mir nicht merken. Merkt man ja gleich beim Lesen. Und auf sein Alles klar? konnte ich auch nur zähneknirschend antworten, weil ich gerade versuchte, eine angemessene Geschwindigkeit zwsichen Bahnhof und Stadthalle aufzubauen, um nicht alle Autofahrer gegen mich zu haben.

"Du, ich hätte gerne meine Außenspiegel nachher noch dran."
"Wie meinst du das?"
"Nun ja, ist ja ganz nett, dass du so weit rechts fährst, aber man kanns auch übertreiben. Und ach, wo du gerade hier hinschaust, geb ich dir gleich noch einen Hinweis. Du fährst immer da hin, wo du hinguckst. Und ja, den Lack, der gerade von meinem Wagen abfliegt, kannst du nachher bezahlen."


Oder auch

"Mein Lieber, ist ja nett gemeint, dass du für Fußgänger anhälst, aber nicht mitten auf der Kreuzung, wenn die Frau noch 20 Meter entfernt ist. Und wenn sie schon rot hat. Ach, und wie du den Motor wieder anbekommst, weißt du?"
"Wieso, der läuft do...[Motor säuft gurgelnd ab, von Gerd kommt ebenfalls ein leicht glucksendes Geräusch (ich glaube, er amüsierte sich etwas)]"
"Ich wink mal eben denen hinter uns!"


Bzw.

"So langsam solltest du in den 4. schalten. Oder gleich in den 5."
"Wie ging das gleich?"
"Achso, bevor wir das üben - wir sind noch in der Stadt."
"Ja."
"Hier ist nur 50 erlaubt."
"Richtig."
"Gut. Ähm, ja... schauen wir mal... 75....80...
"ARGH!"
"Oh, gut, dass du es bemerkst. Ach, und wenn du jetzt genauso bremst, wie du es vorhin gemacht hast... also bei der Gefahrenbremsung mach ich mir keine Gedanken, ABS ist auch toll - aber lass es dieses Mal bitte bleiben, ja?"
"Ich probiers!"



Gerd wird noch viel Spaß mit mir haben. Ich habe selten so nach 45 Minuten des Sitzens so in den Beinen gezittert, wie vorhin.
Das Auto zu fahren ist schwerer, als ich dachte. Sicherlich geht es nach einiger Zeit besser, wenn man nicht mehr das Bremspedal suchen muss, da bin ich optimistisch. Doch bis ich das kann, wird es wohl noch etwas dauern. Ach, und abschließend muss ich noch eines loswerden:

"Ja, so ist gut. Schön die Geschwindigkeit halten. Perfekt. Ach, und der Fußgänger will wohl doch nicht rüber."
"Welcher Fußgänger?"
"Der zwischen den Autos da."
"Was? WO!?"
"Sind gerade dran vorbei. Hmhm.... Und der Autofahrer steigt auch nicht aus, wunderbar."
"WELCHER AUTOFAHRER!?!"
"Ist ja auch egal. Du fährst, ich gucke. Hoffentlich weiß der da, was er macht."
"WO???????"
"Diesmal hab ich gelogen. Da war keiner. Aber die Ampel da ist schon real, so als Tipp nebenbei."
"WO KOMMT DIE DENN HER?"
"Kann ich dir nicht sagen. Aber du solltest lang-sam mal bremsen. Und bremsen. Und bremsen. Und - ach das weißt du ja."

2

Die Zeit der Häuser

Posted by Tim E. on Freitag, Mai 09, 2008
Menschen rollen nach draußen, sich in große Sonnenstühle mit kippbaren Lehnen stürzend, das Antlitz, bedeckt mit Sonnenbrille und Hut, der Sonne entgegenstreckend, knappe Kleidungsstücke präsentieren appetitlich die Unmengen von Haut, die gebräunt werden wollen oder eher sollen. Millionen und Abermillionen von Hautzellen sterben den grausamen Tod der Verbrennung, schreiend schwindet der kleine Hauch des Lebens aus ihnen und hinterlässt Boden für die braune Farbe, die die Menschen so ziert.

Doch auch künstlich angerichtete Wasserbasins, mit Chlor und anderen Chemikalien versehen, finden ihre Freunde. Schwimmbäder sind schon am Anfang Mai komplett überfüllt, ein jeder, sei er dick oder schwabbelig, bequemt sich in eine möglichst gemütliche Position in der Nähe oder direkt in dem Becken, gefüllt mit wasserähnlichem Gesöff.

Gefrorene Fruchsäfte wandern über die Ladentheken, Sonnencreme wird versprüht wie im Frühling Unkraut- und Insektenvernichtungsmittel, Insekten summen wie bescheuert, als ginge es um den Titel des nervigsten Wesens des Planeten, überall sieht man lungernde und grillende Wesen mit Musik.

Spaß, Spannung, Heiterkeit, Schweiß, Action, Sonnenbrand, sportliche Ertüchtigung - all das sind schöne Begriffe, die den Sommeranfang beschreiben können.

Doch auch für die Pflanzen beginnt eine schreckliche Zeit. Photosynthese ist was feines, leider nicht, wenn das Sonnenlicht die Zellen verbrennt. Dann geht es dem armen Grünzeug wie unseren Hautzellen.

Doch sowohl Pflanzen als auch die meisten Insekten haben nicht jene Errungenschaft, die wir Menschen zu unserem Nutzen erfanden:

Häuser.

Ein Haus bietet Schatten, Coolness durch Strom und Ventilatoren, ebenfalls gekühlte Elemente durch unseren Kühlschrank - das Haus erscheint mir ein wunderbarer Aufenthaltort für diese Jahreszeit des Verreckens.

Auch ich, der recht leicht bekleidet mein Lebensende hier draußen zwischen Gräsern, Bienen, Ameisen und Pollen widme, jedoch unter einem Regenschirm, mit Laptop und Soundsystem, die Nachbarschaft mit Stücken der Verzweiflung beschallend, sollte langsam wieder jenen Ort der Erholsamkeit aufsuchen und nicht gekocht sterben.


Leider kann ich nicht all die armen Pflanzen, Tiere und Hautzellen mitnehmen, sie vor der brüllenden Sonne schützen, abgesehen von der Unmöglichkeit sähe dies sicherlich komisch bis ekelig aus.


Nun, so ziehe ich mich, geschwächt zurück. In das Heim der Heime. In mein Zimmer. Denn ich gehöre zu den Menschen, die ihre Zellen nicht dem Tod aussetzen wollen - zumindest nicht absichtlich. Und wer ebenfalls den Wunsch nach einem kühlen Platz mit gekühlten Genüssen hegt, der könnte bei mir für ein paar Tage, bis der erlösende Regen einkehrt, unterkommen. An all die anderen Menschen, welche sich in oben genannten Ambienten rumtreiben sei gesagt: Hoffentlich habt ihr Spaß am Brennen.



-Sehen Sie als nächstes: Regen, die Traufe alles Lebens. Wenn Regen alles wegwäscht-

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Sicherlich hab ich noch 3 Tage zu leben ._.

Posted by Tim E. on Freitag, März 21, 2008
[20:04] Nespar: ich glaube, ich habe gar keinen blutdruck...
[20:04] Quantenphysik?: bestimmt nich ^^ du untoter
[20:04] Nespar: mir wurde gerade schwarz vor augen, weil ich mich gestreckt habe O_______o
[20:04] Nespar: GESTRECKT!
[20:04] Nespar: IM SITZEN!
[20:04] Quantenphysik?: rofl?
[20:04] Nespar: Nur Arme hoch und "Gähn"
[20:04] Nespar: Mehr nicht .____.



Klingt übel, ist aber so. Wie kurz und bündig beschrieben, hab ich mich nur im Sitzen gestreckt - und hatte einen kurzen Schwarzeffekt vor Augen, gefolgt von den typischen Kopfschmerzen...

Ich sollte mir Gedanken über meine Gesundheit machen.

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Einmal nach vorne beugen und husten, bitte!

Posted by Tim E. on Donnerstag, März 13, 2008
Dumpfes Grollen in der Nacht.

Von Zeit zu Zeit ein heller Lichtblitz in der Ferne.


Kleine Stahlfässer, kaum einen Daumennagel groß speien Feuer und schleudern ihren Inhalt, unterlegt von einem lauten Knall, mit irrsinniger Geschwindigkeit gegen ihr Ziel.

Mal Kopf, mal Hand, Knie, Arm, Bauch oder auch nur Gras oder ein Baum.

Kommen die Herrscher über Feuer nicht zu Fuß voran, wird die Luftuntersützung den Sieg bringen. Oder die Macht zu Wasser.

Der Krieg ist kein Märchen, er existiert. Und im Krieg sterben Menschen. Doch was tut das Land, hat es keine Krieger, kurz Soldaten genannt, auch wenn das Wort länger ist, mehr?

Die Auswahl an jungen Männern ist groß, die Wahl fällt den Offizieren und Generälen nicht schwer: "Einmal nach vorne beugen und husten, bitte!"

Dieser Satz ist wohl jedem Knappen und Verpflichteten des Vaterlandes auf Leben und Tod bekannt. Auch mir.

Heute um 10:30 war meine Musterung zum Wehrdienst, den ich verpflichtend zu leisten habe, zumindest theoretisch.

Die Ausweichsiuation: Zivildienst, die Mögichkeit, als Spatensoldat zu arbeiten. Der Zivildienst ist länger als der Wehrdienst, doch soll sie dem recht sein, wer sich vor dem Einsatz als Kämpfer für das Vaterland scheut.

Doch nicht so ich!

Todesmutig und auch ein wenig bescheurt in der Birne da am Vorabend gesoffen und anschließend viel zu wenig geschlafen schreite ich auf die Musterungsanstalt in Aurich zu.

Im Gepäck? Ein Block, ne handvoll Stifte, Radiergummi, mein Sambuca vom Vorabend, Handy, Kopfhörer, 2 Milchschnitten und so ein Gedöns wie Schulbescheinigung, Schwimmschein, Personalausweis.

Die Menschen an der Rezeption erscheinen nett, richtig unheimlich ist es, wie sie aus ihren Uniformen heraus lächeln und grinsen... doch dies spricht nur für die Heiterkeit, die man als angehender Soldat erlangen wird!

"Ja bitte.... Moment... Personalaus.... Danke... Hier.... Stempel.... Da hin...." - man kann sich das Gespräch gut vorstellen.

Füßebaumelnd saß ich etwa eine Vertelstunde auf einem Stühlchen und las kleine Zeitschriften über das tolle Leben im Heer, als ein großer, dicker, fetter Hobbit/Herr mich in seinen raum schleppte. Nett erschein er mir nicht, wollte Zettel über Zettel sehen, fragte nach Dingen wie "Erste Musterung?" und "Leistungskurse?" (was mich völlig aus dem Konzept warf), doch schießlich entließ er mich in die Umkleidekabine...

Der Anblick, der sich mir bot, war von einer anderen Welt. Noch nie hatte ich so viele Jugendliche mit gesenkten Köpfen, mit den Füßen auf dem Boden scharrend herumlungern sehen - außer in Filmen wie "Schindlers Liste", allerdings waren diese alle zum Tode verurteilt.

Pullover weg, Schuhe aus, Hose aus, 'Shorts' an, Schuhe an und in die Menge geblickt - ich fühlte mich bereit für meine Musterung.

Dass ich dann eine halbe Stunde herumsaß und auch mit den Füßen den Boden zerscharrte, muss ich meiner Meinung nicht extra erwähnen...


Die Erlösung kam von einer Frau in weiß, die mir klarzumachen versuchte, dass der Plastikbecher, den sie mir hinhielt, mit meinem eigenen Urin NICHT bis zum Rand zu füllen sei. Ich könnte mir schönere Rettungsaugenblicke vorstellen können, aber mir war es egal. Mit dem Druck des Saufgelages vom Vorabend schaffte ich es tatsächlich wider ihrer Anweisung, den Becher randvoll zu hinterlassen und stapfte, 2 Kilogramm leichter, in den Umkleideraum, der auch als Wartezimmer diente, zurück.


Und dann kam der Moment der Wahrheit. Wieder holte mich die Frau ab, diesmal grimmig dreinschauend und stellte mich vor den Arzt, der mich auf meine entgültige Tauglichkeit zu prüfen gedachte.

"Einmal nach vorne beugen und husten, bitte!"

Ich tat, wie mir geheißen

"Entkleiden!"

-Jawoll-

"Tief ein- und ausatmen!"

Ich sog meine Lungen mit der fein nach Sterilium riechenden Luft voll, kein Rasseln war zu hören, von den leichten Asthmabeschwerden, die ich normalerweise habe, war nichts zu hören.

"Danke. Anziehen! Wir haben hier -insertFachchinesischHier- blabla Bronchitis. Ich breche an dieser Stelle die Untersuchung ab!!"

Ja! Ich hatte mit meinen überragenden Fähigkeiten den Arzt verblüfft. Er musste mich nicht weiter untersuchen, kam schnell zum Schluss. So einen Fall hätte er noch nie gesehen, sagte er. Und dann gab er mir den Zettel. Auf ihm steht:


T 5 nicht wehrdienstfähig



Das Grollen zieht sich zurück.

Eine betäubende Stille tritt ein, bis auch der lauteste Knall vollständig verschwunden ist.
Es wird hell.
Keine Lichtblitze sind mehr zu erkennen.

Ich schreite einen grünen Pfad entlang, meine Verpflegung aufbrauchend. Die Vögel zwitschern und kündigen den Frühling an.

Das Leben ist schön.

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Schreiberling mit Schreibschwächenschwindel

Posted by Tim E. on Donnerstag, Februar 28, 2008
Wer schon einmal seine Taten mit den Tasten der heißgeliebten Tastatur übertrieben hat, kann sich sehr genau die seltsamen Schmerzen und die Taubheit in den Händen vorstellen, die man nach viel zu viel Schreibarbeit als Rache der Umweltschoner mit sich nimmt.

Jeder Tastenanschlag muss geplant werden, die Tastenanschläge ähneln dem Fallen des Schnees in Zeitlupe, sollte einmal eine Taste von einem beliebigen, betroffenem Finger getroffen werden, so kommt nach enormer Kraftanstrengung die erhoffte Entspannungsphase, um brutal von der Erkenntnis, mehr schreiben zu müssen, abgebrochen zu werden.

Momentan fangen diese Probleme bei mir an, ich merke, wie die Kraft aus meinen Gichtlatten flüchtet und mich zusammensackend vor der Wundermaschine zurücklässt - unfähig, auch nur die Boxen ein wenig leiser zu drehen.

Und nun die Moral:

Solltest du am Rechner schreiben
Nicht bewusst bist deiner Taten
Du nicht musst zu weit es treiben
Lieber ein klein wenig warten.

Und hiermit verlinke ich auf das tolle Programm Workrave, das den ehrlichen Benutzer vor fiesen Krankheiten wie z.B. Gicht oder Gelenkschmerzen bewahrt.

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Was Wien, ein Flugzeug, ein Koffer, Videomaterial und Club-Mate gemeinsam haben

Posted by Tim E. on Donnerstag, Februar 07, 2008
Wir schreiben den 6.1.2008. Es hat nicht nur Hinne Geburtstag (was durch Plakaten der ganzen Stadt mitgeteilt wurde, sehr zur Schande des auf den Postern abgebildeten Nacktfrosches in jungen Jahren), auch Klein-Timmi wird heute große Schritte gehen.

Erst einmal verplant er den Flug mit seinem Musik-LK nach Wien - nein, er ist nicht zu spät, sondern zu früh. In der Meinung, schon am 6. zu fliegen, hat er nix für die Schule gemacht. Eingeschlafen bin ich aber nur wenig bis kaum (an dieser Stelle sei ein herzliches "Entschuldigung" an Simba ausgesprochen, der sich so eine Mühe mit dem Musikreferat gegeben haben muss und mich als schnarchenden (etc.) Zuschauer hatte).

Dann habe ich es endlich geschafft, ein schon lange überfälliges Bewerbungsvideo zu drehen - ich erzähle noch, wozu ich das brauche. Sogar die Bewerbung selbst ist fertiggestellt, sodass ich nun endlich den Kram abschicken kann - Leben, ich komme!!!

Und nun sitze ich hier, halb nackend, da ich Sachen packe und mir zu warm ist (bemerket den Schal um meinen Halse, ich habe mich erkälte, jawoll!), trinke Club-Mate, ein Getränk, was meiner Meinung nach Reifen schmeckt, aber wach hält und bei weitem nicht so schädlich für den Körper ist wie handelsübliche Energiedrinks, und fröhne mich des wohligen Nichtstuns.

Morgen - also nachher - muss ich noch zur Schule tappsen, 2 Stunden Deutsch über mich ergehen lassen und schließlich Herrn Thierig, unseren Koordinator, überzeugen, mich in einen Kunst-LK zu lassen, da ich im Kunst-Ergänzungskurs verrecke.

Wahrscheinlich endet es mit viel Geschrei von beiden Seiten und wenig Übereinstimmungen...


Nun, ich packe dann mal weiter - muss ja noch nach Wien fliegen ( :P )


P.S. Für Svenja-Schatzi, dir mir so viel Equip gab ;-)

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